Stille Beteiligte

In einem Rundschreiben an die angeschlossenen Vermittler hat die Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbh & Co. KG darauf hingewiesen, dass ihre Anleger und die an der LombardClassic 3 GmbH & Co. KG atypisch still Beteiligten bis Ende März eine Bewertung der Pfänder erwarten können. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 noch keine testierten Jahresabschlüsse vorliegen.

Das Brisante an dem Schreiben: die Gesellschaften kündigen an, dass die für 2014 und 2015 festgestellten Jahresabschlüsse Einfluss auf den Stand der Anlegerkonten haben. Auf diesen Konten, insbesondere auf dem Kapitalkonto im Falle der Ersten Oderfelder, werden die Einlage der Anleger verbucht sowie evtl. anfallende Verlustbeteiligungen.

Was bedeutet keine testierten Jahresabschlüsse – Auszahlungsansprüche – Auswirkungen für Erste Oderfelder Anlegerkonten?

Der Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke, der eine Vielzahl von Lombardium-Anlegern vertritt hierzu: „Wir fürchten, dass die Fondsgesellschaft hier nachträglich versucht, die Auszahlungsansprüche der Stillen kleinzurechnen. Im Falle der Verrechnung festgestellter Verluste auf den Kapitalkonten könnte dies zu einem Stand des Kontos von weniger als der Einlage führen, so dass den Anlegern im Falle des Vertragsablaufes nur ein um die Verluste geschmälerter Einlagebetrag ausgezahlt werden kann. Das wäre nun ein dreister Coup.“

Den betroffenen Mandanten von Röhlke Rechtanwälten wurden für die Jahre 2014 und 2015 die jährliche Gewinnausschüttung von 7,15 Prozent gewährt. „Wenn tatsächlich in diesen Jahren aber keine Gewinne den Anlegern zugeschrieben wurden, sondern tatsächlich Verluste aufgelaufen sind, stellt sich natürlich die Frage, was da eigentlich ausgezahlt wurde und wie es um die Finanzbuchhaltung der Fondgesellschaften bestellt war. Die Bezeichnung der Auszahlungen als Gewinne ist in jedem Falle irreführend, wenn nicht gar vorsätzlich täuschend. Es stellt sich natürlich auch die Frage, wie die Abschlussschreiben der Fondgesellschaft nach regulärem Ablauf einiger Beteiligungen im Jahre 2015 zu werten sind. In diesem Schreiben wurde unseren Mandanten mitgeteilt, sie könnten ihre gesamte Einlage in Kürze auf ihrem Konto wieder finden- was bekanntlich nicht funktioniert hat“, meint der Anwalt.

Erste Oderfelder KG kann fällige Auszahlungen nicht leisten – weitere Rückzahlungen an die Anleger bleiben ungewiss – Besteht das Risiko einer schleppenden Verwertung der Pfandgüter?

Mit einem Schreiben vom 23.12.2015, welches weitgehend inhaltsgleich auch an die Vermittler der Kapitalanlage gingen, wendet sich aktuelle die Erste Oderfelder Beteiligungs GmbH & Co. KG an die Anleger der „Lombard Classic“-Beteiligungen. Die Beteiligungsgesellschaft entwirft ein dunkles Bild der zukünftigen Zahlungsflüsse an die Anleger und stellt ein „Lösungskonzept auf gesellschaftsrechtlicher Ebene“ in den Raum, welches nicht näher beschrieben wird. Zugleich warnt die Erste Oderfelder vor dem Risiko des Eintritts einer Insolvenzsituation bei Eingang von Klagen der Anleger in großer Menge oder aber bei Ausfall bestehender Verpflichtungen der Lombardium KG gegenüber der Ersten Oderfelder KG.