Lombardium-Skandal: Bilanz 2013 EOBK neu erstellt

27. Dezember 2018

Anleger verunsichert: Werden 11,5 Mio € zurückgefordert? Insolvenzverwalter erstellt den Jahresabschluss 2013 neu – Auswirkungen für die geschädigten Anleger? – Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke erläutert die Zusammenhänge.


Das Jahr 2019 könnte für die ohnehin gebeutelten Anleger des Fonds „LombardClassic 2“ mit einer weiteren unerfreulichen Überraschung beginnen. Weithin unbemerkt von der öffentlichen Debatte um das Ausmaß der betrügerischen Aktivitäten der Verantwortlichen des Fonds und der zivilrechtlichen Haftung für die Schäden der Anleger hat der Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler den Jahresabschluss 2013 der Fondsgesellschaft „Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG“ neu erstellen lassen.

Das war nach den Angaben im Jahresabschluss notwendig. Der bisherige Jahresabschluss war nichtig – er wies zum Beispiel werthaltige Ausleihungen an die Lombardium Hamburg KG in Höhe von 108 Mio. Euro aus. Diese wurden für die gepriesenen Lombardkredite der Lombardium verwendet. Nach den Feststellungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO standen nur Pfandgüter von 6-7 Mio. Euro gegenüber. Tatsächlich war entgegen der vollmundigen Versprechungen in den Werbeunterlagen von der angeblich unbegrenzten Nachfrage nach den „Luxus-Faustpfandverträgen“ schlichtweg kein Bedarf hierfür vorhanden, erläutert Insolvenzverwalter Scheffler.

Auswirkungen der Neubewertung und dem Verlust für geschädigte Anleger?

Als Folge dieser Neubewertung mussten Darlehen an die Lombardium in Höhe von über 60 Mio. Euro wertberichtigt, also abgeschrieben werden. In dieser Höhe wurden dann Verluste den stillen Beteiligten zugewiesen, mit der Folge, dass die Kapitalkonten nunmehr einen negativen Stand aufweisen und die Ergebnisanteile eliminiert wurden, so Insolvenzverwalter Scheffler. Was das für die Anleger heißt, erläutert Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke aus Berlin:

Nach den Regelungen im Gesellschaftsvertrag ist der Anleger nicht verpflichtet, einen durch Verluste verursachten Negativstand seines Kapitalkontos auszugleichen – eine echte Nachschusspflicht besteht also nicht. Allerdings könnten die 7,15 % Zinsen zurückzuzahlen sein – diese sollten ja eine echte Gewinnbeteiligung sein. Ohne Gewinn aber keine Beteiligung hieran. In drei Jahren Laufzeit addiert sich dies über 20 % der Beteiligungssumme, was für die betroffenen Anleger ärgerlich werden kann. Besonders schlimm trifft diese Entwicklung diejenigen Anleger, die in 2013 ihre Einlage zurückerhalten haben oder diese danach in die LombardClassic 3 wiederangelegt haben – hier könnte der ausbezahlte oder wieder angelegte Betrag noch einmal an den Verwalter zu zahlen sein“, meint der erfahrene Rechtsanwalt Röhlke, der viele Opfer der Lombardium-Fonds betreut.

Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke, Berlin
Christian-H. Röhlke, Berlin

Vertrag Kapitalkonten: Welche Anleger werden zur Kasse bzw. Rückzahlung gebeten?

Hintergrund ist das vertragliche System der sogenannten Kapitalkonten. Danach werden auf einem Konto zunächst die Einzahlungen gebucht, dann aber die Verluste hiervon abgezogen. Nach Vertragsablauf wird der stichtagsbezogene Stand dieses Kontos ausbezahlt. „Dies kann bei erfolgreichen Fonds mehr sein, wird aber bei der Ersten Oderfelder durch die hohen Verluste deutlich weniger sein, als die ursprüngliche Einlagesumme“, erläutert Rechtsanwalt Röhlke. Das heißt, dass diejenigen Anleger, die in der Vergangenheit ihre Einlage vollständig zurückerhalten haben, hierauf möglicherweise gar keinen Anspruch hatten und diese Zahlung zurückerstatten müssen. Dies kann sogar dann gelten, wenn das Geld bei der LC2 oder der LC 3 wieder angelegt wurde.

Fazit: Möglichkeiten für betroffene Anleger – Schadensersatzanspruch – Freistellungsanspruch?

Der Jahresabschluss spricht von einer Gesamthöhe dieser Forderungen von 11,5 Mio. Euro, die zwar noch nicht gefordert wurden, mit deren Geltendmachung aber demnächst zu rechnen ist. Für viele seiner Mandanten hat Röhlke im Rahmen von Schadensersatzprozessen entsprechende Freistellungsansprüche gegen die verklagten Vermittler gestellt. In jedem Fall kann den betroffenen Anlegern nur fundierte anwaltliche Beratung empfohlen werden, um weiteren Schaden abzuwenden.